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Tapinoma magnum erkennen und bekämpfen: die invasive Ameisenart in Deutschland

Wenn im Sommer plötzlich ungewöhnlich viele Ameisen zwischen den Pflasterfugen laufen und sich einzelne Steine leicht senken, steckt manchmal mehr dahinter als ein heimisches Ameisennest. Seit einigen Jahren breitet sich in Deutschland eine invasive Ameisenart aus, die deutlich größere Kolonien bildet als die bekannten heimischen Arten: Tapinoma magnum, im Deutschen auch Große Drüsenameise genannt.

Für Hausbesitzer, Hausverwaltungen und Gemeinden ist die Unterscheidung wichtig, denn Tapinoma magnum lässt sich mit Hausmitteln und Ameisenködern aus dem Baumarkt kaum zurückdrängen. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie die Art erkennen, welche Schäden sie verursacht und was bei einem Verdacht auf Ihrem Grundstück sinnvoll ist.

Was ist Tapinoma magnum?

Tapinoma magnum stammt aus dem Mittelmeerraum und gehört zur Gattung Tapinoma, die im Deutschen als Drüsenameisen bezeichnet wird. Über Warenlieferungen ist die Art nach Deutschland gelangt, wo sie seit 2009 vorkommt.

Der Unterschied zu heimischen Ameisen liegt im Aufbau der Kolonie. Ein gewöhnliches Ameisennest wird von einer Königin geführt und verteidigt sein Revier gegen Nachbarnester. Tapinoma magnum lebt polygyn, eine Kolonie hat bis zu 350 Königinnen. Die unterirdischen Nester bilden ein weit verzweigtes System, zwischen dem regelmäßig Brut und Arbeiterinnen ausgetauscht werden. Weil zwischen den Nestern keine Konkurrenz herrscht, entsteht eine sogenannte Superkolonie, die mehrere Quadratkilometer besiedeln kann.

Wer ein einzelnes Nest im Garten entfernt, hat deshalb in der Regel nur einen Ausschnitt des Problems erfasst.

Auch die Jahreszeit macht einen Unterschied. Anders als die heimische Schwarze Wegameise ist die Große Drüsenameise noch bei etwa drei Grad Celsius aktiv und hält keine Winterruhe. Bei Kälte wandert sie auf der Suche nach Wärme und Nahrung in Gebäude ein.

Tapinoma magnum erkennen: Aussehen, Ameisenstraßen und Geruch

Eine sichere Artbestimmung ist nur unter dem Mikroskop möglich, weil Tapinoma magnum zum Tapinoma-nigerrimum-Artkomplex gehört, dem drei weitere, mit bloßem Auge nicht unterscheidbare Arten angehören. Für einen begründeten Verdacht reichen aber fünf Merkmale, die Sie selbst prüfen können.

  • Färbung: Die Tiere sind komplett glänzend schwarz, ohne braun gefärbte Körperteile.
  • Unterschiedliche Größen: Die Arbeiterinnen werden zwei bis fünf Millimeter groß. Typisch ist, dass verschieden große Tiere gleichzeitig nebeneinander laufen. Sind alle Arbeiterinnen etwa gleich groß, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine heimische Art.
  • Breite Ameisenstraßen: Tapinoma magnum bildet breite, mehrspurige Ameisenstraßen. Die heimische Schwarze Wegameise, die ihr optisch ähnelt, läuft dagegen einspurig.
  • Sandauswurf: An den Nesteingängen liegt ausgeworfener Sand oder feine Erde, häufig auf Gehwegplatten und in Pflasterfugen.
  • Geruch: Werden die Tiere gereizt oder zerdrückt, strömen sie einen deutlichen Geruch aus, den man als zitronig, ranzig oder nach Aceton beschreibt. Der Grund liegt in der Biologie: Drüsenameisen verteidigen sich nicht mit Ameisensäure wie die heimischen Waldameisen, sondern mit einem Drüsensekret. Davon leitet sich der deutsche Name ab.

Ein zusätzlicher Hinweis ist das Verhalten bei Störung. Aus dem Nest strömen sehr schnell sehr viele Arbeiterinnen aus und zeigen ausgeprägtes Verteidigungsverhalten.

Wo die Große Drüsenameise in Deutschland vorkommt

Eingeschleppt wird die Art fast ausschließlich über Pflanzen und Erde, vor allem mit mediterranen Großgehölzen wie Oliven- und Feigenbäumen oder Palmen. Diese gelangen zunächst in Gärtnereien und Gartencenter, von dort in Privatgärten und angrenzende Flächen. Wer solche Pflanzen gekauft hat, sollte Wurzelballen und Kübel auf Ameisen kontrollieren.

Bevorzugt besiedelt Tapinoma magnum offene Flächen mit sandigen Böden in Siedlungsgebieten. Die Nester liegen nahe an Mauern und Hausfundamenten, unter Pflaster und Gehwegplatten, häufig auch in Blumenkästen und Pflanzkübeln, bis zu einem Meter tief im Boden.

Das Bundesamt für Naturschutz führt die Große Drüsenameise als potentiell invasive Art auf der nationalen Beobachtungsliste. Auf der EU-Liste invasiver Arten steht sie nicht, weil sie in Ländern wie Spanien und Italien heimisch ist. Der Schwerpunkt lag zunächst am Oberrhein, inzwischen ist die Art auch in Bayern angekommen. Der Bayerische Rundfunk berichtete im Juli 2026 über Befall in Nürnberg, Aschaffenburg und im unterfränkischen Hösbach, wo ein ganzer Friedhof betroffen ist. Praktische Erfahrungen mit der Bekämpfung liegen unter anderem aus Kehl, Zürich und Darmstadt vor.

Bestätigt sich ein Verdacht, sollte er den zuständigen Behörden vor Ort gemeldet werden, in der Regel dem Ordnungsamt. Zur sicheren Bestimmung können Exemplare an das Naturkundemuseum Stuttgart geschickt werden, das auch Bilder der Art und typische Befallsbilder zeigt.

Welche Schäden Tapinoma magnum verursacht

Am eigenen Grundstück fällt ein Befall meist zuerst am Boden auf. Weil die Nester dicht unter der Oberfläche liegen, werden Fundamente, Gehwegplatten und Pflastersteine unterhöhlt, und an den Nesteingängen sammelt sich ausgeworfener Sand.

Dringen die Tiere in Gebäude ein, kommen Schäden an Fassaden und an der Elektrik hinzu. Dokumentiert sind Störungen der Stromversorgung und der Internetverbindung. Eine Gesundheitsgefahr geht von der Art nicht aus. Die kräftigen Mundwerkzeuge können allerdings die Haut verletzen, und das Wehrsekret kann Reizungen auslösen.

Auch im Garten verschiebt sich das Gleichgewicht. Die Ameisen schützen Kolonien von Blattläusen, weil sie sich von deren Honigtau ernähren, und greifen Nützlinge wie Marienkäfer an. Wo eine Superkolonie sitzt, finden sich in der Regel keine heimischen Ameisenarten mehr. Wie sich heimische Arten dagegen verhalten, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Ameisen auf der Terrasse.

Verdachtsfall: was jetzt zu tun ist

Eine bereits etablierte Superkolonie lässt sich kaum vollständig tilgen. Bei frühem und konsequentem Handeln ist eine Eindämmung aber möglich, und genau deshalb zählt jede Woche.

  • Melden: Geben Sie den Verdacht an Ihre Stadt oder Gemeinde weiter, in der Regel an das Ordnungsamt. Erst dadurch entsteht ein Bild über das Ausmaß im Umfeld.
  • Bestimmen und Fläche klären lassen: Vor jeder Behandlung muss feststehen, ob es sich wirklich um die Große Drüsenameise handelt und wie weit die Kolonie reicht, häufig über mehrere Grundstücke hinweg.
  • Nicht selbst experimentieren: Ameisenköder aus dem Baumarkt und Hausmittel erreichen die verzweigten Nester nicht und können die Kolonie zusätzlich verteilen.

Ein Punkt macht die Sache besonders schwierig: Die Ameise hält sich nicht an Grundstücksgrenzen. Wird nur eine Parzelle behandelt, wandern die Tiere vom Nachbargrundstück zurück. In betroffenen Orten haben sich Anwohner deshalb zusammengeschlossen und gemeinsam mit der Gemeinde gehandelt. Einzelkämpfer kommen bei dieser Art selten ans Ziel.

Warum Heißwasser und Ködergel zusammengehören

Ameisenköder aus dem Baumarkt setzen darauf, dass Arbeiterinnen das Mittel ins Nest tragen und die Königin erreichen. Bei einer Superkolonie mit bis zu 350 Königinnen und Nestern bis zu einem Meter Tiefe geht diese Rechnung nicht auf.

Auch flächiges Spritzen führt nicht zum Ziel und schadet sogar. Es tötet heimische Arten wie die Schwarze Wegameise mit, und gerade die wirkt als natürlicher Gegenspieler der Großen Drüsenameise. Wer breit spritzt, räumt der invasiven Art das Feld frei.

In der Praxis arbeiten Fachbetriebe deshalb mit zwei Verfahren, die sich ergänzen. Nahezu kochendes Wasser wird direkt in Nesteingänge und Gänge eingebracht und wirkt dort sofort auf Brut, Arbeiterinnen und Königinnen. Ergänzend kommt ein Ködergel zum Einsatz, das gezielt an den Laufwegen platziert wird und in Nestbereiche wirkt, die thermisch nicht erreichbar sind. Erst die Kombination bringt eine ausgedehnte Kolonie nachhaltig zurück.

  • Heißwasser erreicht die Tiefe: Das Wasser folgt den Gängen und wirkt dort, wo Streumittel nicht ankommen.
  • Ködergel schließt die Lücken: Es wird punktgenau an den Laufwegen ausgebracht und von den Tieren selbst ins Nest getragen.
  • Beides trifft gezielt: Behandelt wird das Nest, nicht die gesamte Fläche. Heimische Arten bleiben weitgehend verschont.
  • Kein Gewöhnungseffekt: Anders als bei Duftmitteln lernt die Kolonie nichts dazu.
  • Braucht Technik und Erfahrung: Die Heißwassergeräte müssen große Mengen konstant heiß halten. Welches Verfahren wo sinnvoll ist, entscheidet sich vor Ort.

Ein einzelner Einsatz reicht bei einer ausgedehnten Kolonie selten. Realistisch ist ein Zurückdrängen über mehrere Termine. Genau deshalb ist die frühe Erkennung so wichtig: Je kleiner die Kolonie, desto eher ist eine vollständige Tilgung möglich. Das Umweltbundesamt empfiehlt, die Bekämpfung Fachpersonal zu überlassen.

Als nach DIN EN 16636 zertifizierter Fachbetrieb aus Fellbach beurteilen wir den Befall vor Ort und stimmen das Verfahren mit Ihnen ab. Mehr zu unserem Vorgehen lesen Sie auf unserer Seite zur Ameisenbekämpfung in Stuttgart und Fellbach. Nachkontrollen und Folgeeinsätze vereinbaren wir auf Wunsch als separaten Termin, immer pauschal und ohne Anfahrtskosten.

Sie haben einen Verdacht auf Ihrem Grundstück? Wir sehen uns die Fläche an und sagen Ihnen offen, was möglich ist. Bei akutem Befall sind kurzfristige Termine möglich, und auf Wunsch stimmen wir die Anfahrt zurückhaltend mit Ihnen ab.


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Häufige Fragen zur Großen Drüsenameise

Was tun gegen Tapinoma magnum?

Melden Sie den Verdacht an Ihr Ordnungsamt, lassen Sie die Art bestimmen und holen Sie einen Fachbetrieb dazu. Produkte aus dem Baumarkt erreichen die verzweigten Nester nicht. Je früher gehandelt wird, desto kleiner bleibt die betroffene Fläche.

Wie finde ich Tapinoma magnum?

Achten Sie auf Sandauswurf an Nesteingängen in Pflasterfugen, auf breite mehrspurige Ameisenstraßen und auf Arbeiterinnen unterschiedlicher Größe. Die Nester liegen häufig unter Gehwegplatten, an Hausfundamenten und in Pflanzkübeln.

Was fressen Tapinoma magnum?

Die erwachsenen Tiere ernähren sich überwiegend von Honigtau, den Blattläuse absondern. Die Brut wird zusätzlich mit Sämereien und kleinen Insekten versorgt. Auch menschliche Nahrungsreste werden angenommen.

Welche Fressfeinde hat die Tapinoma magnum?

Als natürlicher Gegenspieler gilt vor allem die heimische Schwarze Wegameise, die um dieselben Lebensräume konkurriert. Genau deshalb ist ein flächiger Insektizideinsatz problematisch: Er trifft die heimische Art mit und schwächt damit die einzige Konkurrenz. Fachleute empfehlen stattdessen, Freiflächen zu begrünen und Rasen wachsen zu lassen, weil die Große Drüsenameise offene, sandige Flächen bevorzugt.